Geothermie Forschungsbohrung Grimsel

In den vergangenen 10 Jahren wurden in der Nordschweiz verschiedene kostenintensive Tiefengeothermieprojekte angegangen, aber keines hat erfolgreich zum eigentlichen Ziel der Stromgewinnung geführt. Ein wichtiger Aspekt für das Scheitern der Projekte ist ein zu geringes Wissen über die geologische Situation von Fliesswegen (Entstehung, räumliche Ausbreitung, Durchflussmengen, seismische Aktivität) heisser Wässer in Tiefen von 4-5km. Solche Tiefen sind entweder nur indirekt mit geophysikalischen Messmethoden oder aber durch punktuelle Nadelstiche ins Erdinnere in Form von Bohrungen erkundbar. Die Prognose für die erfolgreiche Exploration von Geothermie in grossen Tiefen gestaltet sich somit sehr schwierig und die Geothermie steckt diesbezüglich momentan in einer Lernphase.


Als Teil des nationalen Forschungsprogramms “Energiewende” (NFP70) soll am Grimselpass ein hydrothermales Feld untersucht werden, in welchem Zirkulationen von heissen Wässern seit mindestens 3.5 Millionen Jahren ablaufen. In Folge Hebung und Erosion sind heutzutage in dieser Region die ehemaligen Fliesswege der heissen Wässer und die damit assoziierten Strukturen in den Gesteinen an der Oberfläche zugänglich und somit studierbar. Dies erlaubt Untersuchungen zur räumlichen Verteilung, den dreidimensionalen Geometrien als auch des Zusammenspiels von Deformation (Erdbeben) und Wasserfluss bei Entstehung der Fliesspfade. Zugleich tritt auf ca. 1900 m auch heutzutage noch ca. 30°C warmes Wasser aus dem Gestein, welches in der Tiefe auf über 120°C aufgeheizt wurde. Dies beweist, dass die Wasserfliesswege auch heute noch aktiv sind.

Im Rahmen eines Forschungskonsortiums der Universitäten Bern/Lausanne und der ETHZ sollen die oben erwähnten Aspekte der Wasserfliesswege zum einen durch Oberflächenuntersuchungen, zum anderen durch das Abteufen einer Forschungsbohrung auf ca. 150 m detailliert untersucht werden. Im weiteren werden geophysikalische Explorationsmethoden für eine bessere Vorhersagbarkeit der räumlichen Verteilung von Wasserfliesspfaden in der Tiefe entwickelt, an der Forschungsbohrung getestet und weiter optimiert. Die Resultate liefern wichtige Erkenntnisse für zukünftige Tiefengeothermieprojekte in der Nordschweiz, helfen aber gleichzeitig besser die geologischen Fliesspfade zu verstehen, wie sie etwa heute in der Tiefe der geothermalen Quellen von Leukerbad, Brigerbad oder aber etwa Lavey les Bains zu erwarten sind.

Die Feldarbeiten sind bereits am Laufen und ab dem 10. August 2015 wird der Bohrplatz am Grimselpass eingerichtet. Die Bohrung selbst wird ca. ab dem 13. August anlaufen und über ca. 3 Wochen dauern. In dieser Zeit werden Bohrkerne gezogen und durch die Universität Bern direkt einer ersten Analyse unterworfen. Ab der ersten Septemberhälfte werden geophysikalische Messkampagnen durch die Universität Lausanne durchgeführt. Interessierte sind eingeladen die Fortschritte vor Ort oder via den täglichen Blog zu verfolgen. Besuche sind willkommen, wir bitten aber um Voranmeldung so dass sicher gestellt ist, dass wir Wissenschaftler vor Ort zur kompetenten Auskunftserteilung zur Verfügung haben.